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Was gab es Neues im Jahr
2001
Paradigmenwechsel
in der Therapie Gastrointestinaler Stromatumoren (GIST)
Peter Reichardt1,
Daniel Pink1 und Peter Hohenberger2
Medizinische Klinik
mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie1 und Klinik für Chirurgie
und Chirurgische Onkologie2, Robert-Rössle-Klinik, Helios-Klinikum
Berlin, Universitätsklinikum Charité, Humboldt-Universität
zu Berlin
Schlüsselwörter:
Gastrointestinaler Stromatumor, CD117, Tyrosinkinase-Inhibition, STI571
(Imatinib, Glivec®)
1. Einleitung
Weichgewebssarkome sind eine heterogene Gruppe bösartiger Tumoren,
die ca. 1% aller Malignome ausmachen (Inzidenz ca. 2-3/100.000) und für
ca. 2% der malignomebedingten Todesfälle verantwortlich sind. Ungefähr
10-15% der Weichgewebssarkome haben ihren Ursprung im Magen-Darm-Trakt
bzw. im Mesenterium. Der überwiegende Teil der mesenchymalen gastrointestinalen
Tumoren ist den gastrointestinalen Stromatumoren ("GIST") zuzuordnen,
die erst vor wenigen Jahren als eigenständige Entität erkannt
und definiert wurden. Pathognomonisch für GIST ist der Nachweis von
CD117 (c-kit) auf der Zelloberfläche. C-kit ist das zelluläre
Homolog des Onkogens v-kit und entspricht einer Typ III Rezeptor-Tyrosinkinase.
Die dauerhafte Aktivierung dieser Tyrosinkinase auf dem Boden verschiedener
genetischer Veränderungen ist als direkte Ursache für die Entstehung
gastrointestinaler Stromatumoren anzusehen.
Bis zum Jahr 2000 bestand die einzige Behandlungsmöglichkeit für
diese seltenen Tumoren in der radikalen chirurgischen Resektion. Chemotherapie
ist bei gastrointestinalen Stromatumoren im Gegensatz zu den meisten anderen
Weichgewebssarkomen nicht wirksam.
Die Entdeckung, dass der Tyrosinkinaseinhibitor Imatinib-mesylate (STI571
= GlivecÒ) neben der Tyrosinkinaseaktivität des normalen c-abl
Genproduktes, des onkogenen Bcr-Abl Fusionsproteins und des platelet-derived
growthfactor Rezeptors auch die Aktivität von c-kit hemmt führte
zum Konzept einer gezielten Therapie gastrointestinaler Stromatumoren
mit Imatinib. Der dramatische Erfolg einer solchen Therapie bei einem
Patienten mit weit fortgeschrittenem Tumor führte zur Initiierung
mehrerer klinischer Studien an mittlerweile weit über 1500 Patienten.
2. Gastrointestinale
Stromatumoren
2.1. Histologie und Pathophysiologie
Gastrointestinale Stromatumoren umfassen eine heterogene Gruppe von mesenchymalen
Tumoren, die überwiegend im Gastrointestinaltrakt lokalisiert sind.
Die Morphologie reicht von vorwiegend spindelzelligem (70-80%) bis zu
epitheloidem (20-30%) Wachstumsmuster wogegen die immunhistochemische
und ultrastrukturelle Differenzierung zwischen myoid, neural und nicht
determiniert variiert [8,10]. Bis vor wenigen Jahren wurden diese Tumoren
meist als gastrointestinale Leiomyosarkome klassifiziert. Neuere Daten
zeigen Ähnlichkeiten zu den sogenannten "Cajal-Zellen",
den Schrittmacherzellen des Darmes. Deshalb wird inzwischen über
einen gemeinsamen Ursprung von Cajal-Zellen und GIST spekuliert [5]. Die
gastrointestinalen autonomen Nerventumoren (GANT) sind wahrscheinlich
ebenfalls den GIST zuzuordnen [9]. Eine inzwischen als zwingend definierte
Voraussetzung für die Diagnose GIST ist der Nachweis einer Expression
von CD117 [Abbildung 1]. CD34 ist bei ca. 70% der Tumoren nachweisbar,
glattmuskuläres Actin in 20-30% der Fälle. S100 Positivität
besteht in lediglich 10%, wogegen Desmin in nahezu allen Fällen negativ
ist [9]. CD117 oder c-kit ist das zelluläre Homolog des Onkogens
v-kit, welches erstmals 1986 im HZ4-Katzensarkom-Virus nachgewiesen wurde
(kit = kitten, Kätzchen) [10]. Das c-kit Proto-Onkogen, lokalisiert
auf Chromosom 4q11-21, kodiert für eine Rezeptor-Tyrosinkinase, als
deren Ligand 1990 der sogenannte Stammzellfaktor (SCF) identifiziert wurde.
CD117 ist auf zahlreichen Zellen nachweisbar einschließlich Knochenmarkstammzellen,
Mastzellen, Melanozyten, Keimzellen und Cajal-Zellen. Darüberhinaus
findet sich CD117 auch in wechselndem Ausmass auf Tumorzellen von kleinzelligen
Bronchialkarzinomen und Melanomen sowie verschiedenen Sarkomen [7,8].
Entscheidend für die Pathogenese scheint jedoch nicht der Nachweis
von CD117 per se, sondern eine aktivierende ("gain of function")
Mutation im Rezeptor - am häufigsten in Exon 11, seltener in Exon
9, 13 oder 17 -, die zu einer kontinuierlichen ligandenunabhängigen
Aktivität der Tyrosinkinase führt [9]. Folgen dieser Daueraktivierung
sind unkontrollierte Proliferation und Schutz vor Apoptose.
2.2. Epidemiologie
Gastrointestinale Stromatumoren sind sehr selten. Aufgrund der erst kürzlich
erfolgten eindeutigen Definition liegen bislang nur ungenügende Daten
zur Häufigkeit dieser Erkrankung vor. Derzeit ist von einer Inzidenz
von ungefähr 0,3 bis 0,4 pro 100.000 Einwohner auszugehen. Somit
kann man für Deutschland ca. 250 bis 300 Neuerkrankungen pro Jahr
erwarten.
Das mediane Alter bei Erkrankungsbeginn liegt zwischen 55 und 65 Jahren.
Ein Erkrankungsbeginn unter 40 Jahren scheint sehr selten zu sein, allerdings
sind auch vereinzelt Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter berichtet
worden. Männer scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als
Frauen.
2.3. Primärtumorlokalisation
Die meisten GIST entstehen im Magen oder Duodenum gefolgt vom Dünndarm
[Abbildung 2]. Selten haben sie ihren Ursprung in Kolon, Rektum oder Ösophagus.
Vereinzelt wurde auch über primäre GIST des Mesenteriums bzw.
primär peritoneale GIST berichtet [Tabelle 1].
2.4. Erstsymptome
Die primären Symptome von Patienten mit GIST hängen von der
Tumorgrösse und der Primärtumorlokalisation ab. Ein signifikanter
Anteil von kleinen und asymptomatischen Tumoren wird zufällig bei
Routineeingriffen wie Cholezystektomien oder Appendektomien entdeckt.
Die häufigsten Symptome bei Tumoren im Magen oder Duodenum sind Schmerzen
(50-70%) und gastrointestinale Blutung (20-50%). Dünndarmtumoren
führen vor allem zu Schmerzen, Blutung oder Obstruktion [8]. Bei
Primärlokalisation im Ösophagus führt häufig eine
Dysphagie zum ersten Arztbesuch.
2.5. Dignität
und Prognose
Bislang wurden kleine Primärtumoren von unter 5cm Durchmesser mit
einer geringen Mitoserate (<5 Mitosen/ 50HPF) als primär benigne
eingestuft. Diese Parameter konnten in retrospektiven Analysen als prognostisch
signifikant identifiziert werden [11]. Durch die grundlegende Änderung
im Verständnis der gastrointestinalen Stromatumoren in den letzten
Jahren wird zunehmend die Frage aufgeworfen, ob nicht alle GIST das Potential
haben zu metastasieren. Erst kürzlich wurde gezeigt, dass neben den
malignen GIST auch die als benigne eingestuften Tumoren grundsätzlich
c-kit - Mutationen aufwiesen, die mit einer gesteigerten Tyrosinkinase-Aktivität
einhergingen [12]. Da diesen Mutationen eine möglicherweise entscheidende
Rolle bei der Pathogenese der Erkrankung zukommt muss die Fragestellung
benigner gastrointestinaler Stromatumoren prospektiv völlig neu untersucht
werden.
Bei fortgeschrittenen gastrointestinalen Stromatumoren hängt die
Prognose vom Vorhandensein eines Lokalrezidives oder Metastasen ab [Tabelle
2].
2.6. Metastasierungsmuster
Etwa die Hälfte der Patienten mit neudiagnostiziertem gastrointestinalem
Stromatumor weisen bereits Metastasen auf. Die häufigsten Metastasierungsorte
sind die Leber und das Peritoneum. Lunge, Knochen und Lymphknoten sind
nur sehr selten betroffen [Tabelle 3]. Lokalrezidive und lokoregionäre
Rezidive sind häufig.
3. Therapie
3.1. Chirurgie
Die chirurgische Therapie von Primärtumoren eines GIST ist abhängig
von der Lokalisation.
Bei GIST-Tumoren des Magens ist das Resektionsausmaß abhängig
von der Primärtumorgröße. Bei kleinen Tumoren (bis etwa
3 cm) kann eine Magenwandresektion ausreichend sein, die in Abhängigkeit
von der Lokalisation des Tumors, ggf. auch laparoskopisch erfolgen kann.
Größere Tumoren müssen durch entsprechend funktionelle
Magenresektionen entfernt werden. Eine Indikation zur Gastrektomie ist
in Abhängigkeit von der Tumorgröße abzuleiten, aber nicht
aus Prinzip gegeben.
Bei den GIST-Tumoren des Dünndarms ist eine Segmentresektion des
tumortragenden Abschnittes mit einem Sicherheitsabstand von 2 bis 5 cm
und segmentärer Lymphadenektomie ausreichend. Eine ausgedehnte Lymphknoten-dissektion
oder auch erweiterte Darmresektion kann angesichts der niedrigen Inzidenz
der lymphogenen Metastasierung nicht empfohlen werden. Klinisch vergrößerte
Lymphknoten sollten aber auf jeden Fall als Teil des segmentalen Resektats
entfernt werden.
Für GIST-Tumoren des Kolorektums gelten im Prinzip die gleichen Kriterien
wie für GIST-Tumoren des Dünndarms. Eine segmentäre Resektion
ist ausreichend, es sollten die zugehörigen Lymphknoten mitentfernt
werden.
Lokoregionär fortgeschrittene GIST-Tumoren mit Infiltration angrenzender
Organe konnten bisher nur durch multiviszerale Resektion behandelt werden.
Typische Lokalisationen hierfür sind GIST-Tumoren des Rektums, der
linken Kolonflexur bzw. des distalen Duodenums und proximalen Jejunums.
Sehr häufig kommt es aufgrund einer intraoperativ nicht entdeckten
peritonealen Dissemination rasch zu einem Tumorrezidiv. Bei derartigen
Konstellationen sollte primär eine systemische Therapie durchgeführt
werden [Abbildung 3]. Hinsichtlich der Resektion von Tumorresiduen nach
erfolgreicher Vorbehandlung liegen bislang keine Erfahrungen vor. Dennoch
sollte dieses Vorgehen im Einzelfall immer in Betracht gezogen werden.
3.2. Strahlentherapie
Zur Strahlentherapie bei gastrointestinalen Stromatumoren liegen keine
ausreichenden Daten vor. Eine Bestrahlung von inoperablen Tumoren oder
eine Nachbestrahlung nach inkompletter Resektion kann derzeit nicht empfohlen
werden.
3.3. Medikamentöse
Therapie
Bis vor kurzem existierte keine wirksame systemische Therapie für
fortgeschrittene oder metastasierte gastrointestinale Stromatumoren. Alle
Versuche der Mono- oder Polychemotherapie blieben bislang mit Ansprechraten
unter 5 % erfolglos.
Imatinib (STI571 = GlivecÒ) ist ein rational entwickeltes, oral
applizierbares Phenylaminopyrimidin-Derivat, dessen Wirkmechanismus in
einer kompetitiven Blockade der ATP-Bindungsstelle spezifischer Tyrosinkinasen
besteht. Diese umfassen selektiv abl, Bcr-abl, c-kit und den PDGF-Rezeptor.
Aufgrund der direkten pathogenetischen Bedeutung der Bcr-abl Translokation
für die Entstehung der chronisch myeloischen Leukämie wurde
Imatinib zunächst bei dieser Erkrankungen untersucht. Die Therapie
erwies sich als hoch wirksam sowohl in der chronischen Phase der CML als
auch in der Blastenkrise und bei der Philadelphia-Chromosom positiven
akuten lymphatischen Leukämie. Hierbei fand sich eine positive Dosiswirkungsbeziehung,
bei der 400 mg Imatinib pro Tag als empfohlene Dosierung etabliert wurde
[3,4]. Die Identifikation eines mutierten c-kit als wahrscheinliche Ursache
für die Entstehung gastrointestinaler Stromatumoren bildete die Rationale
für eine gezielte molekulare Therapie mit Imatinib auch in dieser
Indikation.
Die erste Behandlung mit Imatinib bei einem gastrointestinalen Stromatumor
erfolgte bei einer 50-jährigen Patientin, die bei einem hepatisch
metastasierten GIST zuvor erfolglos mit Polychemotherapie, Thalidomid
und Interferon behandelt worden war. Im März 2000 wurde die Therapie
mit 400 mg Imatinib pro Tag begonnen und bereits nach 2 Wochen zeigt sich
eine eindrucksvolle Rückbildung der Lebermetastasen. Verlaufsuntersuchungen
bis Februar 2001 dokumentierten das weitergehende, nahezu vollständige
Verschwinden aller Metastasen unter fortgesetzter Therapie [6]. Basierend
auf diesem Behandlungserfolg wurden zwei multizentrische Studien zur Frage
der Verträglichkeit, der Dosierung und der Wirksamkeit von Imatinib
bei Patienten mit fortgeschrittenen gastrointestinalen Stromatumoren in
den USA und in Europa begonnen. Erste Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung
der "American Society of Clinical Oncology" im Mai 2001 vorgestellt.
In der amerikanischen randomisierten Phase II-Studie wurden 400 bzw. 600
mg Imatinib pro Tag eingesetzt. Von 146 eingeschlossenen Patienten waren
145 hinsichtlich der Toxizität und 86 in Bezug auf die Wirksamkeit
der Therapie auswertbar. Die Verträglichkeit erwies sich als akzeptabel
mit Grad 3 oder 4 gastrointestinalen Blutungen, Hepatotoxizität,
Neutropenie, Infektionen und Ödemen von 2 bis 5 %. Die Wirksamkeit
war beträchtlich mit insgesamt 59 % partiellen Remissionen bei einer
Tendenz zu höherer Effizienz von 600 mg Imatinib pro Tag. 26 % der
Patienten hatten eine stabile Erkrankung und lediglich 13 % waren unter
der Therapie progredient. Nach einer medianen Beobachtungszeit von 4,5
Monaten zum Zeitpunkt der Präsentation war kein Patient progredient,
der zuvor auf die Behandlung angesprochen hatte [1]. Die Studie der EORTC
verfolgte als Phase I-Studie das Ziel, die maximal tolerable Dosierung
zu definieren. Behandelt wurden 36 Patienten mit gastrointestinalen Stromatumoren
und 4 Patienten mit Weichteilsarkomen. Die Dosis von Imatinib wurde schrittweise
von 400 bis 1000 mg pro Tag gesteigert. Die häufigsten, meist gering
ausgeprägten Nebenwirkungen bestanden in Ödemen bei 30, Haut-ausschlägen
bei 22 [Abbildung 4], Übelkeit bei 17, Diarrhoe bei 14 und Erbrechen
bei 11 der 40 Patienten. Dosislimitierende höhergradige Nebenwirkungen
bestehend aus Übelkeit, Erbrechen, Ödemen und Dyspnoe traten
bei 5 von 8 Patienten unter der Dosierung von 1000mg. Somit liegt die
maximal tolerable Dosierung bei 800 mg pro Tag. Zu einer Hemmung des Tumorwachstums
kam es bei 32 der 36 Patienten mit GIST. 53 % der Patienten erreichten
eine bestätigte partielle Remission, 17 % weitere eine Tumorrückbildung
um 20 bis 29 %. Die Rate an stabilen Erkrankungen lag bei 19 %, 11 % der
Patienten waren unter Therapie progredient. 24 der 27 Patienten, die initial
an tumorbedingten Symptomen gelitten hatten verspürten eine Rückbildung
der Beschwerden, häufig bereits innerhalb einer Woche. Von den 4
Patienten mit Weichteilsarkomen erreichte nur ein Patient eine kurzfristige
Stabilisierung, 3 Patienten waren progredient [13]. Zu einer sich anschließenden
Phase II-Studie der EORTC mit 800 mg Imatinib pro Tag liegen noch keine
Ergebnisse vor.
In Folge dieser ausserordentlich ermutigenden Ergebnisse wurden zur Frage
der optimalen Dosierung in Hinblick auf den Therapieerfolg zwei große
multizentrische Phase III-Studien unter der Leitung des NCI in USA und
der EORTC in Europa und Australien durchgeführt. Die Patienten erhielten
entweder 400 oder 800 mg Imatinib pro Tag. Die Behandlung wird bis zum
Progress der Erkrankung oder bis zum Auftreten schwerer Nebenwirkungen
durchgeführt. Beide Studien sind mittlerweile mit jeweils über
700 eingeschlossenen Patienten abgeschlossen. Erste Ergebnisse sind im
Frühjahr 2002 zu erwarten.
4. Besonderheiten
der Bildgebung
Während der Phase-I-Studie der EORTC wurden bei 17 Patienten PET-Untersuchungen
(F18-FDG-PET) vor und eine bzw. vier Wochen nach Einleitung der Therapie
durchgeführt. Hierbei wird die Glukoseaufnahme in einer tomographischen
Ganzkörperaufnahme dargestellt [Abbildung 5]. Bei 14 der 17 Patienten
fand sich vor Therapie ein massiv gesteigerter Glukose-Metabolismus in
den Tumormanifestationen, weshalb sie während der Therapie weiter
mit PET evaluiert wurden. Bei drei der 14 Patienten wurde nach einer Woche
Therapie eine weitere Steigerung der Glukoseaufnahme nachgewiesen, was
als Progression gewertet wurde. Dies wurde nach 8 Wochen Therapie mit
konventioneller Bildgebung bestätigt. Bei 8 der 11 verbleibenden
Patienten kam es nach einer Woche Therapie zu einer kompletten Remission
im PET, die nach vier Wochen bestätigt wurde. Das Ergebnis der PET-Untersuchung
korrelierte mit dem klinischen Befinden der Patienten und sagte das nach
acht Wochen Therapie mit konventioneller Bildgebung nachzuweisende Ansprechen
korrekt voraus [13].
Insgesamt ist davon auszugehen, dass ein positiver Therapieeffekt schon
nach 24 bis 48 Stunden dokumentiert werden kann, also wesentlich früher,
als dies mit konventionellen Verfahren wie Sonographie, Computertomographie
oder Kernspintomographie möglich ist. Hier ist die Grössenbestimmung
aufgrund einer häufig eintretenden zystischen Umwandlung oder auch
Einblutung gelegentlich sogar irreführend [Abbildung 6].
5. Zusammenfassung
Imatinib ist die erste und bislang einzige wirksame systemische Therapie
für Patienten mit fortgeschrittenen gastrointestinalen Stromatumoren.
Die Behandlungsergebnisse aus den ersten klinischen Studien bestätigen
mit objektiven Ansprechraten um 60 % und einer Tumorwachstumshemmung bei
über 80 % der Patienten sehr eindrucksvoll die Wirksamkeit dieses
neuartigen Therapiekonzeptes. Die häufigsten Nebenwirkungen sind
Ödeme, Hautausschläge, Übelkeit, Diarrhoe und Erbrechen.
Eine höhergradige Myelosuppression tritt sehr selten auf. Eine seltene
aber gefürchtete Nebenwirkung ist die gastrointestinale Blutung in
Folge von hämorrhagisch einschmelzenden und rupturierenden Tumoren,
die eine sofortige chirurgische Intervention erforderlich machen kann.
Aufgrund der außerordentlich hohen Wirksamkeit von Imatinib sollte
bei lokal fortgeschrittenen, nicht oder nur durch multiviszerale Resektion
operablen Tumoren überlegt werden, primär eine systemische Therapie
unter neoadjuvanter Zielsetzung durchzuführen. Eine R1- oder R2 Resektion
sollte unterbleiben, da für Imatinib keine Erfahrungen unter derartigen
Bedingungen vorliegen.
Eine noch offene Frage ist die Dauer der Behandlung. Inwieweit mit Imatinib
ein dauerhafter Behandlungserfolg unter lebenslanger Therapie oder gar
eine endgültige Heilung erreicht werden kann wird die Zukunft zeigen.
Weiterhin ungeklärt ist die Frage nach einer adjuvanten Therapie
nach vollständiger Resektion eines gastrointestinalen Stromatumors.
Derzeit kann eine solche Therapie außerhalb von klinischen Studien,
wie bereits diskutiert werden definitiv nicht empfohlen werden.
Vor dem Hintergrund der Seltenheit der Erkrankung und der vielen offenen
Fragen sollten Patienten mit einem gastrointestinalen Stromatumor auch
weiterhin vorzugsweise im Rahmen klinischer Studien behandelt werden.
6. Literatur
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Anschrift des Verfassers:
Dr. med. Peter Reichardt
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie,
Robert-Rössle-Klinik,
Universitätsklinikum Charité,
Lindenberger Weg 80,
D-13125 Berlin,
e-mail: reichardt@rrk-berlin.de
Tabelle 1: Verteilung der Primärtumormanifestationen
| Ösophagus |
bis 5 %* |
| Magen |
39 bis 70 %* |
| Dünndarm |
20 bis 35 %* |
| Kolon + Rektum |
5 bis 15 %* |
| Omentum, Mesenterium |
bis 9 %* |
* Zusammenstellung
nach [2,8,9,11]
Tabelle 2: Prognose in Abhängigkeit vom Ausbreitungsstadium
| Ausbreitungsstadium |
Häufigkeit |
Mediane
Überlebenszeit |
| Primärtumor |
46
% |
60
Monate |
| Lokalrezidiv |
7
% |
12
Monate |
Metastasiert
Nur Metastasen
Primärtumor + Metastasen
Lokalrezidiv + Metastasen |
47 %
25 %
13 %
9 %
|
19
Monate
22 Monate
23 Monate
9 Monate |
nach [2]
Tabelle 3: Verteilung der Metastasen
| Metastasierungsort |
% der Patienten |
| Leber |
54 bis 65* |
| Peritoneum |
20 bis 21* |
| Lymphknoten |
2 bis 6* |
| Knochen |
6* |
| Lunge |
2* |
* Zusammenstellung
nach [2,11,]
Abbildung 1: Homogene, kräftige Expression von CD117 in einem GIST
(Vergr. 100fach, zur Verfügung gestellt von Fr. Dr. U. Schneider,
Pathologie, Robert-Rössle Klinik)
Abbildung 2: Primärtumor eines GIST im Bereich des Magencorpus
Abbildung 3: lokal
fortgeschrittener GIST mit Infiltration von Pankreasschwanz, Magen, Milz
und Colon vor und nach Therapie mit Imatinib
Abbildung 4: ausgeprägte
Hautveränderungen unter Imatinib-Therapie
Abbildung 5: PET-Untersuchung
vor (links) und nach 6 Monaten Therapie mit Imatinib bei Lebermetastasen
eines GIST
Abbildung 6: MRT-Untersuchung
vor (links) und nach 2 Monaten Therapie mit Imatinib bei Lebermetastasen
eines GIST (Patient idem zu Abb. 5)
Quelle: Der Onkologe 8(4): 378-384, 2002
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