Strahlentherapie

Was ist das Ziel der Behandlung?

Ziel der Strahlentherapie ist es, das Tumorgewebe zu zerstören.
Ebenso wie die Chemotherapie kann auch die Strahlentherapie
adjuvant zur Beseitigung von Tumorresten und zur Senkung des Risikos einer Neuentstehung eines Tumors,
neoadjuvant zur Verkleinerung eines Tumors um die weitere, ggf. operative Behandlung zu erleichtern,
kurativ zur Heilung, bzw. um einen Tumor zum Verschwinden zu bringen oder
palliativ zur Verlängerung des Lebens und Linderung von Beschwerden eingesetzt werden.
Welchem Ziel die Behandlung dient, sollte beim behandelnden Arzt erfragt werden.

Wie wird die Behandlung durchgeführt?

Bestrahlungs-GerätDer Patient nimmt auf einem Bestrahlungstisch (1) Platz und wird dort so gelagert, daß das Tumorgewebe bestmöglich bestrahlt werden kann.
In der Regel wird mit dem Bestrahlungsgerät (2) aus verschiedenen Richtungen bestrahlt um das gesunde Gewebe zu schonen.
Die Bestrahlung wird mehrfach durchgeführt. Um sicher zu stellen, daß immer die gleichen Bestrahlungsrichtung und Eintrittsstellen gewählt werden, werden sie vor der Bestrahlung auf der Haut aufgezeichnet. Diese Markierungen dürfen nicht abgewaschen werden.

Wie wirkt die Behandlung?

Bei der Strahlentherapie werden energiereiche, ionisierende Strahlen verwendet, die die Körperzellen zerstören. Wie wirksam die Strahlen sind, hängt unter anderem auch davon ab, wie strahlenempfindlich die jeweiligen Zellen sind.
Dadurch, daß die Strahlen aus verschiedenen Richtungen auf den Tumor geschickt werden, bekommt nur das Tumorgewebe und ggf. angrenzendes gesundes Gewebe die volle Strahlendosis, das gesunde Gewebe zwischen Eintrittsstelle der Strahlung und Tumor wird zwar nur mit einer Teildosis belastet, jedoch ist auch hier eine Schädigung des Gewebes und damit verbundene Nebenwirkungen nicht zu vermeiden. In dem Maße, wie das gesunde Gewebe jedoch wieder nachwächst, lassen in der Regel auch die Nebenwirkungen nach.

Welche Probleme können auftreten?

Welche Nebenwirkungen auftreten können, hängt wesentlich davon ab, welche Körperregion bestrahlt wird. Hierzu sollte der behandelnde Arzt befragt werden.

Generell können auftreten:
Kopfschmerz und Müdigkeit (Strahlenkater)
bestrahlte Haut wird trockenheit und ist leicht gerötet, seltener treten Risse und nässende Wunden auf.

Hals und Kopfbestrahlung:
an bestrahlten und gegenüberliegenden Hautpartien fallen Haare aus,
Es kann zu Geschmacksverlust und Mundtrockenheit kommen,
die Konzentrations- und Merkfähigkeit kann nachlassen
Gelegentlich kann es zu Funktionsstörungen (Lähmungen, Mißempfindungen) kommen (da der Bewegungsapparat und der Tastsinn vom Gehirn koordiniert werden und strahlenbedingte Schädigungen von Gehirnzentren sich in entsprechenden Körperregionen bemerkbar machen können)

Bestrahlungen am Rumpf:
Blähungen und Durchfälle können auftreten.
Bei Bestrahlung im Brustbereich können sich bestrahlte Lungenabschnitte entzünden, so daß Husten und Fieber auftreten kann. Darüberhinaus können Schluckbeschwerden, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust auftreten.

Spätfolgen:
Generell:
An den Bestrahlungsstellen können Hautverfärbungen, seltener Vernarbungen oder Verhärtungen der Haut, Unterhaut oder Muskulatur auftreten.
Desweiteren können an den bestrahlten Gebieten Wundheilungsstörungen auftreten.
An den bestrahlten Stellen können Knochen porös oder brüchig werden.
Bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen kommen.
Es ist nicht auszuschließen, daß die Bestrahlung das Risiko einer erneuten bösartigen Erkrankung erhöht.

Kopf- und Halsbestrahlung:
Wetterfühligkeit
Raschere Ermüdbarkeit und geistige Verlangsamung

Bestrahlungen am Rumpf:
In seltenen Fällen können innere Organe durch die Bestrahlung vernarben und sich verengen (je nach bestrahltem Gebiet, z. B. Magen, Darm, Blutgefäße, Lunge, Harnröhre)
Es kann zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust kommen.
Bei Bestrahlung im Unterleibsbereich werden die Keimzellen angegriffen, so daß keine Samen und Eizellen gebildet werden. Das Bedeutet, daß sowohl Männer als auch Frauen für die Zeit der Bestrahlung meist unfruchtbar sind. Bei Frauen können darüberhinaus die Wechseljahre verfrüht einsetzen. Einen dauerhafte Schädigung und Unfruchtbarkeit kann nicht ausgeschlossen werden, so daß bei Kinderwunsch angedacht werden sollte, Samen- bzw. Eizellen einzufrieren.

Bestrahlungen an Armen und Beinen:
Durch die Bestrahlung können Knorpel und Knochen angegriffen werden.
Selten kommt es zur Versteifung von Gelenken im bestrahlten Gebiet.
In einigen Fällen kann es auch zu Mißempfindungen oder Lähmungen kommen.

Was ist zu beachten?

Vor der Bestrahlung
In Vorbereitung der Strahlentherapie können die Fragen geklärt werden,
ob Samen-/Eizellen eingefroren werden sollen (Beratung mit Arzt und Krankenkasse)
ob und inwiefern psychologische Unterstützung bei psychischen Problemen zur Verfügung steht (Beratung mit psychosozialem Personal der behandelnden Klinik)
Es sollte mit dem behandelnden Arzt geklärt werden, In wie weit Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden, auch während der Strahlenbehandlung eingenommen werden können.

Während und nach der Bestrahlung
Bestrahlte Hautflächen sollten nicht gewaschen werden. Auch Deodorants, After Shave und sonstige Sprays dürfen hier nicht verwandt werden. Stattdessen, sollten diese Hautbereiche gezielt gepflegt werden. Zu geeigneten Pflegemitteln sollte der behandlende Arzt befragt werden.
Hautreizungen, wie zum Beispiel durch Sonneneinstrahlung, Höhensonne, Heißluft oder Infrarotlampen hervorgerufen werden, sollten während der Strahlentherapie unbedingt vermieden und in den ersten Monaten nach der Strahlentherapie nur zurückhaltend zugelassen werden.
Vom Tabak- und Alkoholgenuß in jeglicher Form ist während und in Folge der Behandlung dringend abzuraten, da er den Behandlungserfolg gefährden kann.
Die Wirkung und Verträglichkeit der Strahlenbehandlung sollte regelmäßig untersucht werden. Dazu können verschiedene Untersuchungen (z. B. Röntgen- oder Blutuntersuchungen) erforderlich sein.

Wie lange dauert eine Strahlentherapie?

Eine Strahlentherapie besteht aus mehreren einzelnen Bestrahlungen mit unterschiedlichen Zeitabständen. Eine generelle Aussage läßt sich an dieser Stelle nicht treffen.
Wie ein spezieller Therapie-Plan aussieht, ob und wie die Strahlentherapie mit anderen Therapieformen kombiniert wird und in welchen Zeiträumen was geschieht kann beim behandelnden Arzt erfragt werden.

Wo liegen die Grenzen einer Strahlentherapie?

Ob und wie eine Strahlentherapie anschlägt, sieht man erst im Verlauf der Therapie selbst. Eine genaue Planbarkeit ist damit nicht gegeben. Es ist möglich, daß ein Tumor insgesamt gut auf die Bestrahlung anspricht, es kann jedoch auch sein, daß er nur am Anfang gut anspricht, sich nach einiger Zeit jedoch nicht weiter verkleinert oder sogar wieder wächst. Es ist auch möglich, daß ein Tumor gar nicht auf eine bestimmte Therapie anspricht.
Zwar gibt es Anhaltspunkte für welchen Tumor welche Therapie mit welchem Therapieplan am günstigsten ist, dies gilt jedoch nur für Patientengruppen - der jeweils einzelne Patient kann unter Umständen ganz anders auf die Therapie reagieren, so daß ein individueller Therapieplan erstellt werden muß.
Darüber sind der Strahlentherapie auch Grenzen bei der Strahlendosis gesetzt: Der Körper verträgt nur ein bestimmtes Höchstmaß an Strahlen. Wird dieses Maß überschritten, können die negativen Folgen der Bestrahlung ihren Nutzen übersteigen.

Wie ist eine Strahlentherapie?

Wie bereits erwähnt, sind sowohl die Krebserkrankung an sich als auch ihre Behandlung ein starker Eingriff in das Leben der Patienten, so daß viel Energie darauf verwendet wird "damit klar zu kommen". Hinzu kommt, daß sich die Patienten neuen Aufgaben gegenüber sehen, die Entscheidungen und ein Zurechtfinden fordern. Diese Energie "fehlt" dann an anderen Stellen, so daß sich Patienten zum Teil "wie doof" vorkommen, sich schwerer konzentrieren können als zuvor, Dinge leichter vergessen und zum Teil leichter "aus der Bahn geworfen" werden als zuvor. Das ist ein ganz normaler Prozeß, der sich bei zunehmender Krankheitsverarbeitung und Anpassung an die Situation normalisiert.

Haben Sie noch Fragen zur Strahlentherapie?