Resektionsbehandlung
P. Hohenberger, Ch. Kettelhack, P. M. Schlag Klinik für Chirurgie
und Chirurgische Onkologie
MANUSKRIPT NACH EINEM VORTRAG
Die Behandlungssituation
von Patienten, die mit einem Weichgewebesarkom vorgestellt werden, ist
so, dass etwa ¼ der Patienten einen lokal fortgeschrittenen Tumor
aufweisen. 14 % der Patienten stellen sich nach Enukleation oder Teilresektion
des Primärtumors vor. Über 40 % der Patienten jedoch werden mit
einem Rezidivsarkom zugewiesen, in einem beträchtlichen Prozentsatz
wurde bereits eine Bestrahlungsbehandlung vorgenommen.
Innerhalb des Behandlungsplanes
gilt es, nach Inzisionsbiopsie und Sicherung der Malignitätsdiagnose,
die Tumorausdehnung festzulegen. Die Inzisionsbiopsie muß technisch
so ausgeführt werden, daß ein Hämatom vermieden bzw. drainiert
wird, keine Faszienschichten unnötig eröffnet werden und die
Ausleitstelle der Drainage nicht für den späteren Eingriff zu
unnötigen Haut- und Weichgeweberesektionen führt:
Zur Operationsplanung ist
eine MR-Tomographie mit coronarer, sagittaler und frontaler Darstellung
vollständig hinreichend. Die Indikation zur Computertomographie besteht
im Ausschluss von Lungenmetastasen. In Abhängigkeit von Tumorausdehnung
und histologischem Befund ist die Entscheidung zu treffen, ob ein primär
operatives Vorgehen ausreichend erscheint oder eine multimodale Behandlung
erforderlich ist.
Im Rahmen des operativen
Vorgehens ist ein Einschluss der Inzisionsbiopsienarben sowie der Redonkanäle
im Haut- und Subcutanniveau vorzusehen. Es sollte am MRT das operative
Vorgehen hinsichtlich zu resezierender Muskeln geplant werden. Gefäße
und Nerven sind proximal und distal des Tumors anzuschlingen, ggf. zu dissezieren.
Es ist darauf hinzuweisen, dass auch bei retroperitonealen Sarkomen eine
kompartmentale Resektion durchführbar ist [4] und Tumoren monobloc
unter Einschluss einer sie bedeckenden Hüllschicht (Abdominalmuskulatur,
Musculus psoas, Niere) zur Resektion anstehen.
Unter Einhaltung entsprechender
indikatorischer aber auch präparatorischer Kriterien kann ein Behandlungsergebnis
mit einer Lokalrezidivquote deutlich unter 10 % bei „Low-Risk“-Tumoren
und um 15 % bei „High-Risk“ Tumoren als akzeptabel gelten [5].
Eine erweiterte operative Therapie ist bei lokoregional fortgeschrittenen Tumoren erforderlich. Eine Gefäßinfiltration kann durch Gefäßresektion und -rekonstruktion erfolgreich behandelt werden [6]. Knocheninfiltration oder Gelenkbeteiligung können durch entsprechende endoprothetische Versorgung beantwortet werden. Einem Tumorrezidiv bei Zustand nach Strahlentherapie (Rezidiv im Strahlenfeld) mit eingeschränkter Regenerationskapazität von Haut und Bindegewebe und konsekutivem hohen Risiko von Wundheilungsstörungen ist durch konsequente Nutzung regionaler oder freier Muskel bzw. Muskelhautlappen Rechnung zu tragen [7]. Bei einem entsprechend aggressivem chirurgischen Vorgehen kann ein lokalrezidivfreies Überleben bei mehr als 70 % der Patienten erreicht werden. Prognostisch entscheidend ist bei den meist hochmalignen „High-Grade“-Tumoren jedoch die systemische Metastasierung. Eine Indikation zum primär multimodalen Vorgehen ist in folgenden Fällen gegeben:
Die eigenen Ergebnisse der
multimodalen Therapie von Weichgewebesarkomen der Extremität unter
Verwendung von rh-TNFa zeigt, dass bei 14 % der Resektate kein vitaler
Resttumor mehr nachweisbar war. Weitere 43 % unserer Patienten zeigten
eine partielle Tumorrückbildung mit mehr als 90 % Tumornekrose im
Resektat. Die Extremitätenperfusion ist jedoch nur als eine präoperative
Maßnahme zu verstehen: bei 89 % der Patienten konnte der Residualtumor
als R0-Resektion entfernt werden. Bei 87 % der Patienten konnte die Extremität
erhalten werden. Die lokalrezidivfreie Überlebensrate nach R0-Resektion
beträgt nach 5 Jahren (Kaplan Meier-Methode) 84 %. Entscheidend zu
dem günstigen Behandlungsergebnis trägt nach unserer Auffassung
bei, dass das Resektionsausmaß sich an der Ausdehnung des Tumors
vor Perfusion orientiert.
Neben der Frage des Extremitätenerhalts ist die Frage der Funktionsfähigkeit der Gleidmaße für den Patienten von entscheidender Bedeutung. Hier sollte auch auf die subjektive Einschätzung des Patienten neben objektiven Kriterien (z. B. Neutral 0-Methode) berücksichtigt werden. Die Behandlungsergebnisse anderer multimodaler Therapiekonzepte (systemische Chemotherapie + Hyperthermie, systemische Chemotherapie allein, hyperfraktionierte Strahlentherapie) im Hinblick auf die Primärtherapie nicht metastasierter Sarkome sind derzeit noch nicht abschließend einschätzbar. Entscheidend für den
Erfolg der Resektionbehandlung von Weichgewebesarkomen ist, dass eine Selektion
derjenigen Patienten erfolgt, die durch alleinige chirurgische Therapie
adäquat behandelbar sind. Klar hiervon abzugrenzen sind Tumorsituationen,
die nur durch ein multimodales Vorgehen kontrolliert werden können,
wobei dies voraussetzt, dass alle an der Therapieentscheidung beteiligten
Disziplinen (Pathologie, Radiodiagnostik, Medizinische Onkologie, Radioonkologie,
Chirurgische Onkologie, Plastische Chirurgie) gemeinsam das Therapiekonzept
erarbeiten, umsetzen und tragen. Auch bei der multimodalen Therapie ist
jedoch das konsequent resezierende Vorgehen der entscheidende Baustein.
Dabei ist eine weitreichende operative Erfahrung zur klaren Einschätzung
der erforderlichen Sicherheitszonen zur Erzielung einer R0-Resektion unverzichtbar.
Literatur:
[2] Noria-S; Davis-A; Kandel-R;
Levesque-J; O'Sullivan-B; Wunder-J; Bell-R
[3] Simon-MA; Enneking-WF. The management of soft-tissue sarcomas of the extremities. J-Bone-Joint-Surg-Am. 1976; 58(3): 317-27 [4] F.K.Storm, et al. Diagnosis and management of retroperitoneal soft tissue sarcoma, Ann.Surg. 214: 2-10, 1994 [5] Trovik CS, Bauer HC, Alvegard TA, Anderson H, Blomqvist C, Berlin O, Gustafson P, Saeter G, Walloe A: Surgical margins, local recurrence and metastasis in soft tissue sarcomas: 559 surgically-treated patients from the Scandinavian Sarcoma Group Register . Eur J Cancer 36:710-716, 2000 [6] Hohenberger-P; Allenberg-JR;
Schlag-PM; Reichardt-P
[7] Steinau-HU; Hebebrand-D; Hussmann-J. Rekonstruktive Möglichkeiten nach extensiven Resektionen maligner Weichgewebesarkome. Chirurg. 1993; 64(7): 517-26 [8] Eggermont-AM; Schraffordt-Koops-H; Klausner-JM et al. Isolated limb perfusion with tumor necrosis factor and melphalan for limb salvage in 186 patients with locally advanced soft tissue extremity sarcomas. Ann-Surg. 1996; 224(6): 756-64 [9] Sauer-R; Schuchardt-U; Hohenberger-W; Wittekind-C; Papadopoulos-T; Grabenbauer-GG; Fietkau-R. Neoadjuvante Radiochemotherapie beim Weichgewebesarkom. Strahlenther. Onkol. 1999: 175(6): 259-66 [10] Olieman-AF; Pras-E;
van-Ginkel-RJ; Molenaar-WM; Schraffordt-Koops-H; Hoekstra-HJ. Feasibility
and efficacy of external beam radiotherapy after hyperthermic isolated
limb perfusion with TNF-alpha and melphalan for limb-saving treatment in
locally advanced extremity soft-tissue sarcoma. Int-J-Radiat-Oncol-Biol-Phys.
1998: 40(4): 807-14
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