Leitlinien geben Empfehlungen, wie eine Erkrankung festgestellt und behandelt werden sollte und sollen dazu beitragen, dass Patientinnen und Patienten angemessen behandelt und versorgt werden. Leitlinien fassen das aktuelle medizinische Wissen zusammen, wägen Nutzen und Schaden von Untersuchungen und Behandlungen ab und geben auf dieser Basis konkrete Empfehlungen zum Vorgehen. Leitlinien müssen regelmäßig aktualisiert werden.

Eine Leitlinie soll außerdem darüber informieren, wie gut eine Empfehlung wissenschaftlich belegt ist. Dafür gibt es in Deutschland ein so genanntes Stufenklassifikationsschema der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V (AWMF). Hier werden die Klassen S1-Handlungsempfehlung sowie S2e, S2k und S3-Leitlinie unterschieden.

  • Klassifikation S1-Leitlinien: Eine repräsentativ zusammengesetzte Expertengruppe der Fachgesellschaft(en) erarbeitet im informellen Konsens eine Empfehlung, die vom Vorstand der Fachgesellschaft(en) verabschiedet wird.
  • Klassifikation S2-Leitlinien: Seit 2004 Unterteilung in die Klassen S2e ('evidenz'-basiert) und S2k (konsensbasiert)
    • S2k-Leitlinie: Jede Empfehlung wird im Rahmen einer strukturierten Konsensfindung unter neutraler Moderation diskutiert und abgestimmt, deren Ziele die Lösung noch offener Entscheidungsprobleme, eine abschließende Bewertung der Empfehlungen und die Messung der Konsensstärke sind.
    • S2e-Leitlinie: Eine systematische Recherche, Auswahl und Bewertung wissenschaftlicher Belege ('Evidenz') zu den relevanten klinischen Fragestellungen ist erforderlich.
  • Klassifikation S3-Leitlinien: Leitlinie mit allen Elementen systematischer Entwicklung
    Die Leitliniengruppe sollte repräsentativ für den Adressatenkreis sein und Vertreter der entsprechend zu beteiligenden Fachgesellschaft/en und/oder Organisation/en in die Leitlinienentwicklung frühzeitig eingebunden werden. Zudem ist eine systematische Recherche, Auswahl und Bewertung wissenschaftlicher Belege ('Evidenz') zu den relevanten klinischen Fragestellungen erforderlich. Jede Empfehlung wird im Rahmen einer strukturierten Konsensfindung unter neutraler Moderation diskutiert und abgestimmt, deren Ziele die Lösung noch offener Entscheidungsprobleme, eine abschließende Bewertung der Empfehlungen und die Messung der Konsensstärke sind. Das Ergebnis der strukturierten Konsensfindung führt zur Festlegung der Empfehlungsgrade A (starke Empfehlung), B (Empfehlung) oder 0 (offene Empfehlung).

Weitere bzw. ausführlichere Informationen können auf der Website der AWMF abgerufen werden.

 

Derzeit bei der AWMF verfügbar sind folgende deutsche Leitlinien:

 

Von der Deutschen Gesellschaft für Onkologie und Hämatologie in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OEGHO), der Schweizerischern Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO) und der Schweizerischen Gesellschaft für Hämatologie (SGH+SSH) entwickelte Leitlinien:

Mehr auch unter www.onkopedia.de.

 

Derzeit befinden sich die ersten S3-Leitlinien für Weichgewebesarkome in Entwicklung.